Donnerstag, 23. Juni 2016 47 Kommentare

Behind The Scenes: "fresh! 190 Smoothies, Säfte & Drinks"

Letztes Jahr im November hatte ich ein super spannendes Projekt, von dem ich euch bisher noch gar nichts erzählt habe - jaaa, das kann ich gut ;) Eigentlich wollte ich ja nie ein Buch machen. Bloggerbücher gibt es so viele, da braucht es nicht auch noch eines von mir. Worüber auch? Das eine Thema, für das ich brenne, habe ich bis jetzt noch nicht gefunden (außer vielleicht Glasreiniger).
So ein ganzes Buch allein aufzuziehen ist außerdem sauviel Arbeit, die sich finanziell meistens nicht rentiert. Eher etwas für's Herz als für's Konto. Daher habe ich alle bisherigen Anfragen von Verlagen abgelehnt und auch bis heute tatsächlich kein Buch geschrieben. 


Aber ich hatte das Glück, einen viel besser passenden Auftrag zu bekommen: Ich durfte Styling und Fotografie für den kompletten Innenteil von "fresh! 190 Smoothies, Säfte und Drinks" übernehmen, yeah! 
fresh! ist im Neuer Umschau Buchverlag erschienen (wie z.B. auch der Kult-Bestseller "What Katie Ate") und die Autorin, Laura Kirschbacher, hat damit wohl das bunteste, trendigste, leckerste und umfassendste Kompendium ever zum Thema Getränke erschaffen. Es gibt fruchtige Smoothies, Detox-Säfte, cremige Shakes, Limonaden, Cold Brew Kaffeerezepte, Iced Matcha, Bowle, Teecocktails... Alles hausgemacht, gesund, hip und eben total fresh


Auch die Gestaltung von Grafikerin Tina Defaux ist der Knaller - so viele coole, monkig-perfekte Details! Jedes Kapitel von fresh! hat eine Aufmacherseite mit einem Statement, eine charakteristische Schriftart und ein kleines Icon, das sich wie ein roter Faden am unteren Rand der Seiten entlangzieht. So etwas erfüllt mich mit tiefer, innerer Freude.
Laura ist übrigens die Dame mit den bordeauxroten Fingernägeln und Tina die Sternchenfrau auf dem Foto oben. Und richtig, da sind die beiden gerade in unserem Wohnzimmer und stoßen mit einem Kumquat-Spinat-Chia-Smoothie an! Wir haben nämlich an einem Tag zu dritt bei mir zu Hause gemixt, gestylt und fotografiert. Mann, war ich vorher nervös - ich habe bis nachts um zwei die Küche geschrubbt und 742mal gecheckt, dass alle Kameraakkus und Ersatzakkus geladen sind. Aber dann war es so klasse, dass ich am liebsten jedes einzelne der fast 100 Fotos mit den beiden zusammen gemacht hätte. So lieb von euch, nochmal 1000 Dank für all eure Unterstützung!


Das Tolle an fresh! und überhaupt am ganzen Umschau Verlag ist die kreative, unkonventionelle, aber immer absolut stilvolle Handschrift. Das geht bis hin zu den gemütlichen Altbau-Räumlichkeiten des Verlags in Neustadt an der Weinstraße, wo wir vor Weihnachten ein "Meeting" mit Stollen und Gesprächen über Zuckerwattemaschinen hatten. Der Weihnachtsbaum war komplett weiß und mit kleinen Darth Vaders geschmückt - muss ich noch erwähnen, dass ich verknallt bin?


Bei den Fotos für fresh! hatte ich zu meinem größten Vergnügen die Anweisung, verrückte Dinge zu tun. Ich durfte mich frei austoben und allen Quatsch umsetzen, der mir in den Sinn kam: Ein Erdbeer-Tahini-Shake mit Stormtrooper-Figur, ein Apfelsmoothie neben dem Zahnputzbecher (Apfel und Petersilie sind gut für die Zähne) oder Brokkolisaft in einer Haartonic-Flasche (Brokkoli ist - guess what - gut für die Haare)... 
Sogar einen Fifty-Shades-of-Red-Saft gibt es mit sexy Maske und Männchens rosafarbene Bad-Taste-Sonnenbrille kommt auch vor. Überhaupt könnt ihr ganz viele persönliche Details auf den Bildern entdecken, von meinem Handy mit Lieblingsplaylist bis hin zu der Holzkiste, in der mein Urgroßvater seine Briefe gesammelt hat.


3 Rezepte aus fresh! zum Testen: Smoothie, Saft und Kaffee

Damit ihr euch einen besseren Eindruck von fresh! machen könnt, darf ich euch drei meiner liebsten Rezepte geben: einen Smoothie, einen Saft und ein Kaffeegetränk, das auch mit Kakao ganz wunderbar funktioniert. 
Danach kommt ein Blick hinter die Kulissen, wie das so war, fast 190 Drinks innerhalb von zwei Wochen im Spätherbst zu mixen und zu shooten... (Der knappe Zeitrahmen ist übrigens allein meine Schuld. "Ach, das reicht ja locker, wenn ich 2 Wochen vor der Deadline anfange". Ähm, ja.)


Smoothie: Pfirsich & Himbeere 

2 Pfirsiche oder 3 Weinbergpfirsiche
125g Himbeeren
2 Orangen
Grüner Tee oder Wasser

1. Die Orangen schälen, die weiße Haut so gut wie möglich entfernen. Pfirsiche waschen und entsteinen. Himbeeren waschen.

2. Das Obst so lange kräftig pürieren, bis auch die Haut der Pfirsiche schön zerkleinert ist. 

3. So viel grünen Tee oder Wasser untermixen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Ihr seht, die Rezepte im Buch kommen meistens ohne fancy Zutaten aus, die man erst online bei amerikanischen New-Age-Biofarmern bestellen müsste. Es ist hier einfach die Kombi, die es ausmacht.

Rezept: Laura Kirschbacher, fresh!


Saft: Rotkohl & Balsamico

150g frischer Rotkohl
5 süße rote Äpfel
2 EL Balsamico (am besten schön alt und dickflüssig)

1. Rotkohl in grobe Stücke schneiden. Äpfel waschen und ebenfalls in grobe Stücke schneiden. 

2. Rotkohl und Äpfel entsaften (hier braucht man einen Entsafter, mit Pürieren kommt man nicht weit).

3. Auf zwei Gläser verteilen und mit je einem EL Balsamicoessig abschmecken.

Rotkohl klingt erstmal merkwürdig, aber Fakt ist, ich liebe diesen Saft! Er schmeckt ganz süß und erfrischend, außerdem ist Rotkohl antikanzerogen, stärkt das Immunsystem und soll das Cholesterin senken (solche Infos zu Nährstoffen und Gesundheit sind bei jedem Rezept dabei).

Rezept: Laura Kirschbacher, fresh!


Eiskaffee: Kaffee & Frangelico

400ml eiskalter starker Kaffee (ich verwende Kakao, schmeckt auch super)
6cl Frangelico (Haselnusslikör)
60g Pflanzenmilch oder (vegane) Sahne
Aufgeschlagene Kokoscreme oder (vegane) Sahne zum Servieren
Schokoladenraspel
Eiswürfel

1. Die Eiswürfel auf zwei Gläser verteilen. 

2. Den Kaffee oder Kakao darübergießen. Frangelico und Sahne zugeben und umrühren.

3. Mit geschlagener Kokoscreme oder Sahne sowie den Schokoraspeln servieren.

Das ist mal eines der nicht ganz so braven Rezepte ;) Neben den gesunden Säften und Smoothies gibt es nämlich durchaus auch leckere Treats. Dabei wird immer auch an Veganer gedacht. Diesen Frangelico-Likör habe ich extra für das Shooting besorgt, den kannte ich vorher gar nicht (gibt es im Supermarkt)... Meine Güte, ist das Zeug lecker. Sollte jeder Haushalt besitzen.

Rezept: Laura Kirschbacher, fresh!



Der Behind-the-Scenes-Bericht zum Fotoshooting für fresh!

Das Shooting für fresh! war also mein erstes Großprojekt dieser Art, ein ganzes Buch hatte ich bisher noch nie fotografiert. Fast alle 190 Rezepte habe ich selbst zu Hause zubereitet, gestylt und geshootet.
Immerhin musste ich insgesamt nur um die 100 Fotos machen, da meistens zwei Getränke auf einem Bild sind. Bei 14 Tagen Shootingzeit bedeutete das aber immer noch: ca. 7 Fotos und ca. 14 Getränke pro Tag. Da bin ich mit meiner detailverliebten, perfektionistischen Trödelei nicht mehr weit gekommen. Den halben Vormittag an einem Set rumstylen, danach erstmal eine Stunde bei Facebook rumhängen und dann so langsam mal die Kamera rausholen? No way, Frollein. Das musste zack, zack gehen.


Man bedenke außerdem: Es war November. Ich hätte zwar alles mit externen Blitzen und Softboxen fotografieren können, aber ich bin einfach ein riesiger Freund von echtem Tageslicht, wenn es um Food Photography geht. Hell war es im November von ca. 8 bis 16 Uhr - das gab mir acht Stunden, also jeweils eine Stunde pro Foto, in der ich zwei Getränke mixen, stylen und shooten musste. Zum Aufräumen zwischen den Sets blieb da nicht mehr viel Zeit. Dementsprechend sah unsere Wohnung aus, als hätte man eine größere Gemüseabteilung darin in die Luft gesprengt. Oben seht ihr mal, was hinter dem aufgeräumten Aufmacher für das erste Kapitel eigentlich abging...


In der Küche war es noch schlimmer. Auf den Fotos im Buch sieht sie so ordentlich aus, aber einen Zentimeter daneben brach die Hölle los. Ausgerechnet, als es am allerschlimmsten aussah, kamen Kumpels von Männchen das erste Mal zu uns zu Besuch. Überraschungsbesuch. Ich wäre fast gestorben: "Nein, ich bin kein Messie! Ich bin ein Ordnungsfanatiker, echt jetzt!" "Jaja. Sieht man."


Das Styling von manchen Drinks war durchaus eine Herausforderung. Ich stellte mich hin, mixte fröhlich alle leckeren Zutaten zusammen und bekam... nun ja, das. Das linke Bild vom Schoko-Chili-Shake hat es trotz meiner schicken Fellhausschuhe ganz knapp nicht ins Buch geschafft.
Bei bis zu 14 Getränken am Tag war aber auch klar, dass wir nicht alles trinken konnten. Die gesunden Säfte waren kein Thema, immer runter damit. So einen healthy Glow hatte ich noch nie im Gesicht wie in diesen zwei Wochen. Aber wer kann schon 8 Schoko-Shakes am Tag trinken? So leid es mir tat, aber die mussten ins Klo. Einmal habe ich vergessen, zu spülen. Männchen hat sich über den Anblick gefreut.


Um die Fotos zu machen, die ich mir so vorgestellt hatte, wurde natürlich gelogen und betrogen, was das Zeug hält hin und wieder getrickst. Laura und Tina hatten zum Beispiel diese abartig coole Vintage-Saftpresse angebracht, die unbedingt mit auf ein Foto sollte. In meiner Fantasie schoss da vorne ein Strahl Orangensaft raus, aber beim Auspressen von normalen Orangen tröpfelte es immer nur kläglich. Also einen Klumpen Watte genommen, in Orangensaft getränkt und zackig ausgepresst - Saftfoto check!


Nach dem Shooting stand dann Bildbearbeitung auf dem Programm, das Konzept für den nächsten Tag musste ausgearbeitet werden und ich musste neue Massen von Obst und Gemüse anschleppen. Oft war ich kurz vor Mitternacht noch im Rewe. Leider war um die Uhrzeit fast niemand mehr da, vor dem ich mit meinem Einkauf hätte angeben können. Tonnenweise Wirsing und Karotten aufs Band laden und dabei die arme Wurst mit der Chipstüte hinter mir abfällig angrinsen - hach, es wäre mir ein Fest gewesen.


Als das Buch dann im Januar 2016 erschienen ist, war das schon ein besonderes Gefühl. Allerdings muss ich sagen, dass ich mit vielen Bildern nicht wirklich zufrieden bin. Ich hatte zwar meinen Monitor für die Bildbearbeitung kalibriert und mir die fertigen Fotos auf diversen Endgeräten angesehen, aber ich hatte noch kaum Erfahrung damit, wie die Bilder auf verschiedenen Papieren im Druck rauskommen. fresh! ist auf einem eigentlich sehr schönen, angenehm rauen und wirklich hochwertigen Papier gedruckt (ein sogenanntes offenes Papier, nicht lackiert oder versiegelt). Allerdings schluckt so ein Papier viel Farbe, die Fotos wirken schnell dunkel und es fehlt ihnen das Strahlen. Da hätte ich in der Bearbeitung alles noch mehr aufhellen, die Tiefen weiter hochziehen und mehr Sättigung reingeben müssen, damit die Bilder auch wirklich fresh aussehen. Aber so ist das eben: Entweder, es klappt alles - oder man lernt etwas dazu. 


Beim Fotoshooting für die neue Herbstvorschau 2016 vom Umschau Verlag hat das auch schon viel besser funktioniert. Das Papier ist nämlich wieder das Gleiche, aber diesmal war ich vorbereitet ;) Hier könnt ihr mal einen Blick reinwerfen, wenn ihr möchtet - übrigens ein Katalog, wie man ihn noch nicht gesehen hat, mit einem unfassbar kreativen und ungewöhnlichen Konzept. Umschau eben. Ich bin super geehrt und glücklich, mit so einem Ausnahme-Verlag zusammenarbeiten zu dürfen und freu mich wahnsinnig auf neue, gemeinsame Projekte!

Wenn ihr Interesse an fresh! - 190 Smoothies, Säfte & Drinks habt, findet ihr es in vielen Buchhandlungen oder natürlich bei Amazon. Ihr werdet auf den Fotos viele kleine Dinge aus meiner Welt entdecken, die ihr vielleicht schon vom Blog kennt. Und die Rezepte sind einfach genial. Ich weiß es, ich habe sie nämlich alle nachgemixt!