Mittwoch, 18. Januar 2017 0 Kommentare

Pasta mit Radieschengrün-Pesto aus Radieschenblättern - Waste Less

Werbung* für AO.de

Ich liebe es, Sachen auszumisten! Mülltüten voll mit Werbekugelschreibern, zerbrochenen Kleiderbügeln und verwaschenen Handtüchern aus der Wohnung zu tragen, ist mein Yoga. 
Bei einer Sache allerdings tut mir Wegwerfen richtig weh: bei Essen. Wenn mir mal wieder eine Avocado schlecht geworden ist und ich sie wegwerfen muss, dann ist es, als würde sie mich mit nassen Manga-Augen anschauen: "Ich wäre so lecker mit ein paar Salzflocken auf einem Brot gewesen. Ich hätte dir glänzende Haare und eine schöne Haut gemacht. Aber du, du hast mich vergessen. Jetzt muss ich ganz allein die lange, dunkle Reise zur Mülldeponie antreten und deine Werbekugelschreiber pieksen Löcher in mich." 


Buhuhuuu! Ist das nicht sehr, sehr traurig? Deswegen war ich gleich bei der Waste Less-Challenge vom Online Elektrogeräte Händler AO.de* dabei. Eine Woche lang durfte ich keinerlei Nahrungsmittel wegwerfen. Natürlich bestand die Challenge nicht darin, den ganzen schimmeligen Kram aufzuessen. Wir sind ja nicht bei Jackass. Nein, er sollte primär gar nicht entstehen. 
In diesem Post erzähle ich euch ein bisschen von meinen Strategien, wie man es schafft, weniger Essen wegzuschmeißen.
Und ich gebe euch ein köstliches Rezept aus einer Zutat, die sicher schon bei vielen von euch in den Müll geflogen ist: Pasta mit einem Radieschengrün-Pesto aus Radieschenblättern, serviert mit Ziegenfrischkäse und Laugen-Honig-Knuspertopping.
(Bei dieser Zutat handelt es sich übrigens nicht um den Ziegenkäse, auch wenn Herr Männchen diesen als seinen Erzfeind auserkoren hat und ihn nur zu gerne in den Mülleimer schaufelt.)


Was schätzt ihr eigentlich: Wieviel Kilo Lebensmittel wirft der Durchschnittsdeutsche im Jahr weg? Die Antwort sowie die wichtigsten Maßnahmen, um weniger Essen wegzuwerfen, findet ihr auf der Webpage zur Waste Less Kampagne von AO* und in diesem Video:


Bei mir lagen vier Punkte besonders im Argen, die immer wieder zur Verschwendung von putzigen kleinen Avocados & Co. geführt haben. Ich habe das mal ordentlich sortiert, was uns gleich zu Punkt eins bringt:

1. Aufräumen! Vor einiger Zeit war unser Kühlschrank* mal sehr voll. Für einen Job hatte ich Unmengen an Weichkäse eingelagert und diesen aus Zeitgründen einfach vorne reingestopft. So dass alle anderen Sachen nach hinten geschubst wurden, durcheinanderpurzelten und sich das Licht im Kühlschrank verdunkelte. Als der Job erledigt war, klebte hinten an der Kühlschrankwand eine zerdrückte Packung Blätterteig. Festgefroren, das arme Ding (Buhuhuuu!). Und um eine Woche abgelaufen. 
Wenn man dagegen immer schön ordentlich nach Nahrungsmittelgruppen sortiert sowie sofort zu Verbrauchendes nach vorne stellt, ist das Risiko für vergessenes Essen schonmal viel geringer.

2. Realistisch einkaufen. Manchmal gehe ich voll ab und lade nur Hardcore-Gemüse in den Einkaufswagen: Brokkoli, Blumenkohl, Lauch, Kohlrabi, Blumenkohl, Schwarzwurzeln, riesige Selleriemonster, Spitzkohl und Blumenkohl. 
Weil, ab heute habe ich mein Leben im Griff und esse nur noch Gemüse. Healthy und so. Mit hoch erhobenem Näschen und neidischen verächtlichen Blicken fahre ich mein Gemüse-Kampfschiff an den anderen Einkaufswägen voller Wurst und Käse vorbei. 
Zu Hause esse ich dann erstmal Männchens Wurst und Käse. Manchmal eine Woche lang. Der arme Blumenkohl, buhuhuuu! Will sagen: Kauft nur das, was ihr auch wirklich esst. Und essen könnt. 


3. Hinterfragt das Mindesthaltbarkeitsdatum. Früher war ich übergenau und habe alles sofort weggeworfen, sobald das MHD auch nur um einen Tag überschritten war. Das ist Quatsch. Der Senf weiß ja nicht, was seine Hersteller für ein Datum auf ihn draufgedruckt haben und beschließt um 00:01 Uhr des Tages X: Ich falle jetzt auf der Stelle tot, schimmelig und übelriechend um. 
Zum einen heißt es MINDESThaltbarkeitsdatum. Zum anderen sind die Hersteller da oft übervorsichtig, um bloß kein Risiko einzugehen. Einfach mal dran riechen, anschauen, auf die eigenen Sinne vertrauen. 
Um wieviele Tage man das Haltbarkeitsdatum überschreiten kann, hängt sehr vom Lebensmittel ab. Bei Frischfleisch und Eiern wäre ich äußerst vorsichtig, da gibt es meistens ein konkretes Verfallsdatum, das man auch beachten sollte. Bei trockenem Zeug wie Reis und Nudeln kann man aber durchaus in der Größenordnung von Monaten übers MHD hinwegsehen. 

4. Man kann mehr essen, als man meint. Das Grün von Radieschen und Möhren, der Strunk vom Brokkoli, die Schale der Ananas: Da wandern pure Nährstoffe in den Müll! Aus Radieschenblättern und Karottengrün kann man wunderbar Pesto machen, aus dem Brokkolistrunk wird Püree und aus Ananasschalen kann man gesundes Ananaswasser ansetzen. 

Mit der Smoothienummer und Tupperdosen will ich euch jetzt nicht langweilen. Dass man nicht mehr so frische Bananen pürieren und übriges Essen in Dosen oder Gläsern aufbewahren kann, wisst ihr. Dass Essen übrig ist, passiert hier übrigens nicht. Nie. Nehmt euch ein Beispiel.


Das Pesto aus Radieschengrün hat mir so gut geschmeckt, dass es nun unbedingt gebloggt werden muss. Zu Bandnudeln, zusammen mit cremigem Ziegenfrischkäse und knusprig-süßen Bröseln aus einem alten Laugenbrötchen und Honig schmeckt das phänomenal!


Rezept: Pasta mit Radieschengrün-Pesto aus Radieschenblättern, Ziegenfrischkäse und Laugen-Honig-Knusperbröseln. Für 2 Personen.


Fürs Radieschenpesto:
1 Bund grüne Blätter von Radieschen
80g Parmigiano Reggiano
40g Cashewkerne
40g Pecannüsse 
(oder was ihr da habt - Pinienkerne, Mandeln, Walnüsse, Hauptsache 80g Nüsse)
1 große geschälte Knoblauchzehe
ca. 100ml gutes Olivenöl
Salz und Pfeffer

Fürs Topping:
1 Laugenbrötchen vom Vortag
2 EL Olivenöl
3-4 EL Honig
150g Ziegenfrischkäse

250g Nudeln nach Wunsch


1. Die Radieschenblätter waschen. Es ist nicht schlimm, wenn sie etwas welk sind. Nur komplett gelb, matschig oder vertrocknet sollten sie nicht sein. Trocken schütteln und in den Mixer (Thermomix, Pürierstab-Behälter) geben.

2. Parmesan in Stücken, Cashews bzw. Nüsse, die Knoblauchzehe und das Olivenöl dazugeben. Je nach Geschmack grober oder feiner pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

3. Füs Topping das Laugenbrötchen in Scheiben schneiden. Die Scheiben in einer großen beschichteten Pfanne in 3 EL Olivenöl so lange von beiden Seiten anbraten, bis das Brot trocken und knusprig ist. Etwas abkühlen lassen und mit den Händen, in einer Plastiktüte mit dem Nudelholz oder im Mixer gleichmäßig fein zerbröseln. Wieder in die Pfanne geben. Honig zugeben und so lange unter Rühren braten, bis die Brotkrumen Farbe bekommen und karamellig duften. 

4. Währenddessen oder im Anschluss die Nudeln nach Packungsanleitung kochen. Die Sauce kann auf die Nudeln warten, aber die Nudeln sollten nie auf die Sauce warten müssen! 

5. Die al dente gekochte Pasta abgießen, nicht abschrecken. Mit dem Pesto vermischen. Mit Ziegenfrischkäse und den Laugen-Honig-Croûtons servieren.


Der Geschmack vom Radieschenblätter-Pesto ist schön frisch und grün, dabei aber sanft und gar nicht so scharf, wie man es vielleicht erwarten würde. Es ist kein auffälliger Eigengeschmack, sehr allgemeinverträglich, die meisten dürften es mögen. 
Insgesamt folgt dieses Pasta-Rezept wieder meiner goldenen Regel: Etwas Knuspriges und etwas Cremiges, etwas Süßes und etwas Umami-Herzhaftes. Für die Säure wäre ein Spritzer Zitronensaft im Radieschengrün-Pesto noch nett, aber oh oh, wohin dann mit der halb zerquetschten Zitrone? Nee, das lassen wir mal. 
Nach Radieschenpesto bin momentan so süchtig, dass ich mir zwei große Gläser davon auf Vorrat hergestellt habe. So lecker auch zu Brot, Reis, was auch immer. Jetzt habe ich nur ein Problem: Was mache ich mit der riesigen Tupperbox voller Radieschen, die im Kühlschrank steht?