Montag, 29. September 2014 105 Kommentare

Vom Blog zum Business? Meine Geschichte...

Der September scheint traditionell mein Schmalspur-Blogging-Monat zu werden - siehe letztes Jahr, da waren es auch nur 3 Posts. Schuld daran bin natürlich nicht ich, sondern die garstige Steuer. Normale Menschen machen die ja im Frühjahr, also schön zum vorgesehenen Abgabetermin. Aber nö. Ohne die erste schriftliche Ermahnung mache ich grad mal gar nix, was dazu führt, dass ich Ende September regelmäßig eine 7-Tage-wach-Steuerparty mit mir selber feiere. Da werden dann alle über das Jahr in eine Box geschmissenen Belege gesichtet, sortiert, Summen gebildet, Paragraphen verständnislos angestarrt und ich habe überhaupt ganz viel Spaß mit der Frage, ob ich sonstiger Einzelgewerbetreibender (außer Hausgewerbe) oder doch eher eine natürliche Person bin. 

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Dabei tue ich mir selber ganz schrecklich leid. Bis zu dem Moment, wo ich denke: "Moment mal. Alles besser als Arzt sein." Und da das Thema Selbständigkeit nun sowieso gerade wegen der Steuer in meinem Kopf rumschwirrt und ich auch immer wieder von euch gefragt werde: "Sag mal Vera, was arbeitest du denn eigentlich?", dachte ich, ich erzähl euch heute mal ein bisschen was darüber. 

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Also. Das war so: Wie einige von euch ja vielleicht wissen, habe ich Medizin studiert. Warum, frage ich mich ehrlich gesagt bis heute. Für sensible, perfektionistische Ästhetikfreaks mit leichtem Hang zur Tollpatschigkeit, die den Kontakt mit vielen Menschen eher nervig finden (um es mal vorsichtig auszudrücken), gibt es sicher geeignetere Berufe. Aber die Arbeitslosenquote lag ja bei sensationellen 4% und ich fand die Idee einfach total vernünftig. Schwerer Fehler. Die Berufswahl zur reinen Vernunftentscheidung machen - don't try this at home! Machste nichts mit falsch und von der Medizin aus kann man ja immer noch alles Mögliche machen, wie Kolumnen über gesunde Ernährung für die Brigitte schreiben oder so. Dachte ich mir so schön.

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Tscha. Das Studium an sich habe ich ganz gut rumgekriegt. Furchtbar schlau muss man dafür auch gar nicht sein, man muss sich vor allem mal anpassen können und Spaß daran haben, Telefonbücher auswendig zu lernen. Sich ellenlange Listen von Gerinnungsfaktoren ins Hirn prügeln, sich auf einen Einser prüfen lassen und danach wieder alles innerhalb von einer Stunde vergessen: Kann ich. 
Aber das Studium und das konkrete, praktische Arbeiten im Job sind zwei völlig verschiedene Dinge. Der Arbeitsalltag in den allermeisten Krankenhäusern ist mittlerweile leider so, dass man einfach nicht zu 100% das machen kann, was das eigene Gewissen für nötig erachtet - wenn man nicht Freizeit und Familie streichen und im Krankenhaus übernachten will. Das System zwingt einen, entweder gewisse Abstriche an Sorgfalt zu machen oder Abstriche am Privatleben. Viele kriegen das gut hin, können trotz Stress die richtigen Prioritäten setzen und sind trotz der Arbeitsbedingungen gute Ärzte. Ich konnte und wollte das nicht. 

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Also wie weiter? Ich hatte zwar schon während dem Studium gemerkt, dass die Medizin nicht so ganz mein Fall ist, aber abbrechen wollte ich auch nicht. Lieber Zähne zusammenbeißen, das Praktische Jahr irgendwie überleben und das Staatsexamen bestehen. Als Absicherung, Netz und doppelter Boden. Aber nur, weil ich den Abschluss hatte, jetzt doch als Stationsarzt arbeiten oder alternativ in die Forschung oder Pharmaindustrie gehen? Nä. Damit hätte ich weder mir noch den Patienten einen Gefallen getan.
Zum Glück hatte ich ja während der Abschlussphase des Studiums angefangen, diesen Blog zu schreiben - aus einer ganz spontanen Laune heraus, weil mir die Ästhetik in meinem Alltag gefehlt hat und ich mich irgendwie vom Kohlsuppen-Pipi-Desinfektionsmittelgeruch im Krankenhaus ablenken musste. Mein kleiner Blog war inzwischen relativ groß geworden, es kamen Anfragen von Zeitschriften und Shops, die sich für meine Fotos und Ideen interessierten... Ich hatte die Fotografie für mich entdeckt und so richtig Spaß daran gefunden... Da ich neben dem Studium immer noch gejobbt hatte, hatte ich außerdem ein kleines finanzielles Polster und dachte mir, warum eigentlich nicht? Melde doch ein Gewerbe an, mach dich selbständig und schau, was draus wird. Als Arzt arbeiten kannst du ja zur Not immer noch.

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So bin ich jetzt Kreativmädchen für alles: Ich erarbeite als freie Fotografin und Stylistin kreative Konzepte für Kunden aus den Bereichen Food, Interior, DIY oder Fotografie und mache alles dabei selbst, von der Trendanalyse und Ideenfindung über das Styling und Shooting bis hin zur Bildbearbeitung und zum Texten. Die fertigen Fotostrecken, Anleitungen oder Kolumnen sind dann für Zeitschriften, Flyer, Werbeaktionen, Onlineshops... Die Produktfotos im Onlineshop von Eat A Rainbow sind zum Beispiel von mir. Der Blog ist bei alldem meine digitale Visitenkarte und hilft mir, Kontakte aufzubauen und Kunden zu finden. 
Ausgewählte Kunden bewerbe ich auch direkt hier auf meinem Blog, wobei ich sagen muss, dass das Blogmarketing alleine nicht zum Überleben reichen würde. Es sind die Aufträge "hinter den Kulissen", von denen ihr als Blogleser oft gar nichts merkt, die den größten Teil ausmachen - das vielleicht auch als Erklärung dafür, dass ich es höchstens ein- bis zweimal die Woche schaffe, zu posten.  

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Wisst ihr also Bescheid ;) Und nein, ich liege als Selbständige nicht nur mit Strickpulli und Stulpen dekorativ im Bett rum. Ich sitze oft nachts noch bis um 2 am Rechner, während mein Herr Arzt Big Bang Theory schaut oder schläft (gut, ich wollte nicht mit ihm tauschen, der Job ist wie gesagt knallhart... außerdem muss ich auch noch sehr an meiner Effizienz arbeiten und den ollen Perfektionismus in Schach halten). Ich muss Buchführung, Rechtsabteilung, Social Media Manager und Webentwickler in einem sein und mich vor allem immer wieder selbst disziplinieren. Aber ich kann das tun, was ich liebe und auch wenn ich jetzt klinge wie ein Regenbogen kotzendes rosa Einhorn (huhu Clausi), dafür bin ich dankbar. Trotz garstiger Steuererklärung. 

Oh. Was mir jetzt nach zehn Metern persönlichem Bla auffällt: Ein paar konkretere Tipps zur Selbstständigkeit, Eigenvermarktung und zur Blog-Business-Geschichte wären vielleicht noch interessant gewesen. Aber das hätte wiederum den Rahmen gesprengt. Vorschlag: Wenn ihr konkrete Fragen habt, schreibt sie mir gerne in die Kommentare. Seit neuestem kann ich hier nämlich direkt auf die einzelnen Kommentare antworten (yippie, danke Timo - okay, ich bin nicht immer mein eigener Webentwickler). 

Gibt es denn vielleicht auch ein paar von euch, die mit ihrem Studienfach / ihrer Ausbildung ins Klo gegriffen haben und die mittlerweile etwas ganz anderes machen? Den geraden, klassischen Weg gehen heutzutage ja nur noch die wenigsten. Also erzählt gerne mal, würde mich interessieren!


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Samstag, 20. September 2014 65 Kommentare

Volvic Blogparade: Blackberry Infused Water & Blüten-Eiswürfel

Puh, das war mal wieder Zeitmanagement at its best. So typisch ich mal wieder: Vor einigen Wochen bekam ich eine Anfrage von Volvic*, ob ich zusammen mit ein paar anderen tollen Bloggern an einer Blogparade zum Thema Wasser teilnehmen möchte. Aber sowas von ja! Wasser, super. Mag ich. Ich habe mir dann auch gleich ein Konzept überlegt, geshootet, die Bilder hochgeladen, den Post als Entwurf gespeichert und ein kleines "Erledigt"-Häkchen im Kopf gesetzt. Dass zu einem Blogpost aber auch noch ein Text gehört, hatte ich irgendwie verdrängt. Jetzt bin ich heute dran und will heute Morgen den Post veröffentlichen - gaaah. Text fehlt ja noch. 

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Das Schöne ist, ich bin heute Nacht erst um halb vier heimgekommen und bin jetzt noch nicht so ganz optimal fit, denn Rieslingschorle mag ich auch (die Pfälzer wissen Bescheid, es ist Wurstmarkt in Bad Dürkheim). Ähem. Also bitte seid lieb und seht mit eventuelle Tippfehler nach, ja? Jedenfalls kann ich heute morgen mit absoluter Überzeugung und aus direkter, persönlicher Erfahrung sagen: Klares, reines, frisches Wasser in enormen Mengen ist das Größte. 
Wie war das noch gleich bei Bridget Jones? Da gibt es so eine Textpassage, die mir im Kopf hängengeblieben ist... Die Gute war auch feiern, wachte morgens verkatert auf, schnappte sich eine Wasserflasche und schrieb dazu etwas in der Art: "Pure, clear water. Flowing to the areas in my brain where it is most needed." Und GENAU das Gefühl habe ich gerade auch. Der Kopf ist heiß, dick und irgendwie trocken, aber jeder Schluck kühles Wasser geht genau da hin, wo er im Gehirn am nötigsten gebraucht wird.  


Eine große Flasche Wasser habe ich heute auf jeden Fall schon geleert und eine weitere wird folgen. Generell habe ich mit dem Trinken zum Glück kein großes Problem, 2 - 3 Liter am Tag schaffe ich ganz gut. Liegt vielleicht daran, dass ich viel zu Hause am Schreibtisch arbeite und der Griff zur Wasserflasche jedesmal mit einer Mini-Prokrastination vergleichbar ist. Schwierige Mail zu beantworten? Erstmal ein Schluck Wasser. Oder das Konzept muss morgen eingereicht werden und ich habe immer noch keine Idee? Erstmal was trinken, dann fließt die Kreativität sicher auch wieder.


Wie geht euch das? Kommt ihr leicht auf eure 2-3 Liter Wasser am Tag? Vielen fällt das ja schwer, zum Beispiel, weil nur Wasser manchmal etwas langweilig ist. Deswegen gibt es heute ein ganz simples "Rezept", wie man sich in diesem Fall selbst austricksen und sich zum Wasser trinken motivieren kann: Infused Water, also mit Früchten und Kräutern gepimptes Wasser... 
Für mich persönlich ist das übrigens eher nichts, wenn ich ehrlich bin. Ich esse die Früchte lieber so und komme ansonsten ja eh ohne Probleme auf meine tägliche Wasserration. Aber ich hatte mir das Infused Water hübsch auf den Fotos vorgestellt und vielleicht ist es ja doch eine Idee für den einen oder anderen von euch.


Schnappt euch für euer Infused Water einfach eine große Karaffe oder einen Krug und füllt ihn mit Beeren, Zitrusfrüchten, Kräutern, was immer euch schmeckt. Da gibt es ja unzählige Kombinationen: Brombeeren mit Minze, kleingeschnittene Gurke mit Zitronenmelisse, Ingwerstückchen mit Zitrone, Himbeeren plus Limettenachtel, Erdbeeren mit Basilikum... Wer mag, gibt noch Eiswürfel dazu und dann lässt man das Ganze einfach ein bisschen stehen. Für den Hausgebrauch hatte ich noch mit einem Löffel auf den Blättern und Früchten herumgedrückt, um den vollen Geschmack ins Wasser auszupressen. Aber erst nach dem Shooting, klar ;) 


Apropos Eiswürfel: Auch hier ist mein Ästhetik-Tick wieder mit mir durchgegangen und ich habe ein paar essbare Blüten zusammen mit dem Volvic-Wasser eingefroren. Googelt am besten mal nach essbaren Blumen, ihr werdet überrascht sein, was man da so alles findet. Angeblich auch Dahlien! Was für ein schöner Zufall für mein Farbkonzept, hehe. Aber wie gesagt, alle Angaben ohne Gewähr - informiert euch da selbst und wenn ihr im Zweifel seid, lieber nicht essen. 


Zum Abschluss habe ich noch 4 Fragen beantwortet, die Volvic mir zu den Themen Wasser, Heimat, Natürlichkeit und innere Kraft gestellt hat:

1. Ohne Wasser wäre der Mensch nicht überlebensfähig - was ist für dich einfach überlebensnotwendig?

Wasser, ganz klar, aber auch Nahrung, Sauerstoff und die richtige Umgebungstemperatur sollten vorhanden sein. Alles andere kann man diskutieren - Kaffee, Liebe oder mein Macbook als überlebensnotwendig zu bezeichnen, wäre eine unsachliche Übertreibung. Wobei ich Kaffee sowieso nicht mag, aber das führt jetzt zu weit. 

2. Der Alltag kann einem manchmal ganz schön viel abverlangen - woraus ziehst du deine innere Kraft und wie fühlst du dich wieder fit?

Ich bin jemand, der viel Zeit für sich selbst braucht und gerne alleine ist. So schön es auch sein kann, mit Menschen zusammen zu sein, für mich ist das oft Stress - durchaus positiver Stress, aber eben keine Entspannung. Wenn ich alleine bin, ordnen sich meine Gedanken wieder. 
Apropos "ordnen", auch Aufräumen hilft mir beim Kraft tanken. Es gibt kaum etwas Entspannenderes für mich, als jedes Stück in unserer Wohnung an seinen Platz zu legen, den Kleiderschrankinhalt nach Farben und die Gläser nach Größen zu sortieren und alles sauber zu machen. Dann ist auch mein Kopf wieder ordentlich und sauber. 

3. Home is where the heart is - was bedeutet Heimat für dich und wie sehr bist du mit ihr verwurzelt?

Am Rheinland, wo ich geboren und aufgewachsen bin, liegt mir recht wenig. Wir waren dort Zugezogene und ich konnte mit der rheinischen Art nie viel anfangen. Was mich dort aber immer wieder hinzieht, ist die Tatsache, dass meine Familie da eben wohnt. Sie könnten sonstwo wohnen, sobald ich die Tür öffne und meine Lieben sehe, bin ich zu Hause. 
Allerdings habe ich wirklich ein bisschen mein Herz in Heidelberg verloren: Die Menschen sind zurückhaltender, aber immer höflich, die Stadt ist nicht zu groß, nicht zu klein und sehr gepflegt, die Bausubstanz ist wunderschön, das Wetter immer ein bisschen besser als anderswo... und jede Ecke erzählt eine Geschichte, an die ich mich gerne erinnern mag.

4. Legst du besonders viel Wert auf die Natürlichkeit von Lebensmitteln? Wenn ja, warum?

Den Blogger möchte ich sehen, der hier mit "Nein" antwortet ;) Aber was wissen wir überhaupt wirklich über unsere Lebensmittel und was ist schon natürlich? Der tolle Bio-Agavendicksaft mit den grünen Blättchen auf dem Etikett wurde vielleicht auch nur in mexikanischen Billiglohn-Fabriken in großen, dreckigen Kesseln derart überhitzt, dass sich gesundheitsschädliche Stoffe en masse gebildet haben. Man weiß es nicht und oft wird dem Verbraucher eine Natürlichkeit suggeriert, die de facto gar nicht vorhanden ist. 
Worauf ich aber achte, ist, dass unsere Lebensmittel möglichst wenig Prozessierung hinter sich haben und so frisch und nährstoffreich wie möglich sind. Also: lieber ein frischer Blumenkohl und ein Becher Crème fraîche als ein Tütchen mit Blumenkohl-Cremesuppe-Fertigmischung inklusive tausend Zusatzstoffen. Basics kaufen wir durchaus beim Discounter, Obst und Gemüse aber auch gerne mal auf dem Markt oder beim Hofladen und Fleisch beim Metzger. Man "besteht" ja schließlich aus den Dingen, die man zu sich nimmt und da sollte das kein Schrott sein.


Außer mir ist heute übrigens auch die liebe Lu von Lu Loves Handmade an der Reihe - schaut schnell mal bei ihr vorbei, sie hat das Thema Wasser mit einem tollen und kreativen DIY umgesetzt! Morgen geht es mit der Volvic Blogparade dann weiter bei Rebecca von Verlockendes und Yvonne von Puppenzimmer. Ich bin schon ganz gespannt, was die beiden sich ausgedacht haben.
Und falls ihr gestern auch feiern oder sogar auch auf dem Wurstmarkt wart - ihr wisst, was zu tun ist ;)  


Vielen Dank an Volvic und komm.passion für die schöne Kooperation!

Samstag, 6. September 2014 55 Kommentare

Thai-Zucchinispaghetti mit Pak Choi, Erbsen und gebratenem Tofu

Heute Morgen: Ich stehe in der Küche, zerdrücke die Klumpen in meiner Chiasamen-Mandelmilch-Pampe und rühre ein bisschen Haselnussmus unter. Männchen sieht die fragwürgig (haha, das war ein echter Vertipper - den lass ich stehen) aussehende Masse und meint: "Du bist ja voll heilig, dass du sowas isst!" Find ich auch und löffel den Froschlaich mit braunen Schlieren schnell weg, damit mein Gehirn aufhört, weitere Assoziationen auszuspucken. Was tut man nicht alles für dickere Haare und dünnere Oberarme...


Dabei schiele ich ein bisschen neidisch auf seine Nutellatoasts (ja, Plural) und noch ein bisschen neidischer auf seine drahtigen, durchtrainierten Oberarme und die Wolle auf seinem Kopf. Hmpf. Ich glaube, ich kann mich querstellen: Dreimal in der Woche mindestens 10km joggen (ja, das mach ich wirklich), Hanteltraining, bei Naschgelüsten Gemüsesaft trinken, mir seit Monaten nur noch Hirsegemüsechiafischquinoazeugs reinstellen und das für Fotoshootings produzierte geile Essen bis auf Mini-Testportionen heldenhaft an Männchen weiterreichen. Hilft alles nix. Ich bin ein Naturspecki. 


Was aber auch fein ist - hierzu hat Conny von der Seelenschmeichelei einen tollen Artikel geschrieben. Außerdem hat die gesunde Ernährung, mal ganz ohne auf Kilos und Oberarme zu schielen, einen entscheidenden Vorteil: Man bringt Variation in seinen Speiseplan und lernt Lebensmittel und Zubereitungsweisen kennen, von denen man bisher gar nicht wusste, dass sie überhaupt existieren! Das finde ich total spannend. 
Zwar halte ich persönlich nichts vom momentan grassierenden, zum Teil unreflektierten Hype um gewisse Ernährungsformen und vom Trend, sich nicht objektivierbare Unverträglichkeiten als Lifestyleaccessoire zuzulegen ("Ich vertrage keine Gluuutn, aber was das ist, weiß ich eigentlich auch nicht"). Wir kaufen nicht jeden Tag im Biomarkt ein und ich für meinen Teil ziehe ein gutes Rindersteak jederzeit würstchenförmigen Bratlingen aus Analogkäse vor. Aber einfach mal Kichererbsen, Tahinipaste oder Amaranth kaufen und schauen, was man damit Neues, Leckeres anstellen kann, das mag ich.


So wie diese Thai-Zucchinispaghetti hier - ja, aus Zucchini geschnittene "Nudeln". Wie lecker sind die bitte? Dass sich im Schälchen nichts außer Gemüse befindet, merkt man überhaupt nicht, so umami und schlürfig und aromatisch ist das Ganze. Dabei war ich ja erst ziemlich skeptisch und dachte, dass richtigen Nudeln nichts und niemand das Wasser reichen kann. Aber oh god, they can. Natürlich mit ein bissl Unterstützung von ordentlich Knoblauch, Ingwer und grüner Currypaste, aber ohne Soße sind Hartweizen-Spaghetti ja auch nicht gerade wettbewerbsfähig. 


Um die Zucchini so schön kringelig zu schneiden, nimmt man am besten einen Spiralschäler oder Julienneschneider. Sowas gibt es für ca. 20 Euro bei Galeria Kaufhof, meiner ist von GEFU. Sieht aus wie ein überdimensionaler Bleistiftspitzer, in den man die ganze Zucchini reinsteckt und dann einfach dreht. Ist sehr lustig und geht ganz schnell! Mit einem Messer und etwas Geduld klappt es aber auch.


Für 2 Personen:

2 - 3 Zucchini
1 kleiner Pak Choi (Kohl)
eine Handvoll Erbsenschoten
Sesamöl
2 Knoblauchzehen
ca. 4cm Ingwer
1 kleine grüne Chilischote (je nach gewünschter Schärfe)
1 ungespritzte Limette
1 Stängel Lemongrass
3 EL Sojasoße* (Ich fand die glutenfreie Version von Kikkoman einfach farblich passend, aber vielleicht interessant für wirklich Betroffene: Schmeckt genauso wie normale Sojasoße.)
1 EL grüne Currypaste
1 TL Agavendicksaft oder Honig
Salz
Pfeffer
250g Tofu (Halloumi wäre auch lecker oder meine neueste Entdeckung: Panir)
1 EL Sesam
frischer Koriander


*kostenloses Sample


1. Zucchini waschen, Enden abschneiden und mit dem Spiralschäler in lange Spaghetti schneiden. Erbsen waschen und putzen. Pak Choi waschen und in Streifen schneiden.

2. Etwas Sesamöl in eine große Pfanne geben und gepressten Knoblauch, fein gehackten Ingwer und klein geschnittene Chili darin anbraten. Die Erbsenschoten und die Zucchininudeln hinzufügen und ca. 5 Minuten braten. Dann den Pak Choi zugeben und weitere 2 Minuten braten. Pfanne mit gebratenem Gemüse vom Herd nehmen.

3. Limettenschale abreiben, Limette auspressen und die Schale mit dem Saft verrühren. Lemongrass von den holzigen Außenschichten befreien, ganz klein schneiden und zur Limettenmischung geben. Sojasoße, Currypaste und Agavendicksaft ebenfalls zufügen und die Soße bei Bedarf noch mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken. Soße über das gebratene Gemüse in der Pfanne geben und mischen.

4. Tofu in Würfel schneiden. Nochmal etwas Sesamöl in  einer anderen Pfanne erhitzen, gewürfelten Tofu zugeben und ca. 5 Minuten braten. Sesam darübergeben. Das gebratene Gemüse mit dem Sesamtofu und etwas frischem Koriander anrichten.


Und weil es grad so schön zum Thema Ernährung passt: Einige Blogger haben vom niederländischen Start-Up-Unternehmen Uzuma* eine Testbox mit verschiedenen kalt gepressten Gemüsesäften zugeschickt bekommen. Die Zusendung war unverbindlich, aber mir haben die Säfte gefallen und daher möchte ich sie kurz vorstellen:
In jeder Flasche ist das Äquivalent von einem Kilo rohem Obst und Gemüse enthalten (Spinat, Rote Beete, Fenchel, Broccoli, Apfel, Karotte, Limette...) und sonst nichts, also keine Farb-, Konservierungs- oder Aromastoffe. Die Säfte kann man nun entweder einfach ergänzend zu seiner normalen Ernährung trinken, oder aber als Saftkur, ähnlich wie beim Heilfasten (was immer einer genauen Einweisung bedarf und nicht einfach so spontan gemacht werden sollte). 
Anni von Fashion Kitchen und  Thi vom Kawaii Blog haben die Säfte auch getestet: Anni mochte sie gar nicht, Thi fand sie zum Teil gewöhnungsbedürftig, aber fühlte sich wohl damit. Ich fand sie gut brauchbar als gesunde Alternative zu irgendwelchen Snacks und Naschereien, wenn man mal zwischendurch Gelüste bekommt. Was den Geschmack angeht, naja, eine Köstlichkeit sind sie nicht - aber seit ich mir mal einen grünen Smoothie mit etwas zu viel Kresse gemixt habe, bin ich da schmerzfrei! Sie schmecken halt gesund nach Gemüse, was für mich völlig okay war. Ich bin fast ein bisschen traurig, dass im Kühlschrank nur noch drei Flaschen stehen.


Die Bambusschälchen habe ich übrigens bei einer Heidelberg-Shoppingtour mit meinen Lieblings-Bloggermädels Rebecca, Stef und Nadine gekauft. Während Nadine und Stef ein kleines Päuschen machten, haben Rebecca und ich noch schnell Depot, Butlers und Co. unsicher gemacht. Von der weißen Schale war nur noch eine einzige da... oh oh, Drama... aber statt uns an den Haaren zu ziehen und zu beißen (wie Nadine und ich das ja auf dem Flohmarkt generell immer machen), haben wir uns erst eine Viertelstunde lang mit gegenseitigem "Nein, nimm du sie" vornehm zurückgehalten. Ich habe natürlich als Erste allen Anstand beiseite geworfen und die Schale genommen. Wie Rebecca so schön schrieb: Sie ist eben die Ältere und Vernünftigere ;) 
Ich hab damals leider völlig verpeilt, Fotos zu machen, aber wenn ihr mehr über unser Treffen in Heidelberg lesen wollt, klickt euch mal durch die Berichte von Rebecca, Stef und Nadine. Ach Mädels, ich vermiss euch und musste beim Shooting ganz arg viel an euch denken!

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Wie seht ihr das mit der gesunden Ernährung? Wie ernährt ihr euch und was ist euch dabei wichtig? Das ist zwar ein sehr persönliches und individuelles Thema und wie so oft gibt es auch hier sicher nicht die eine Wahrheit, aber trotzdem würde mich eure Meinung dazu interessieren!