Montag, 20. April 2015 34 Kommentare

Pavlova-Torte mit Erdbeeren und Himbeeren

Der Frühling steht nun voll im Saft und yeah, ich liebe es. Meine Laufrunde führt abends unter blühenden Zierkirschen vorbei, die Luft ist warm, voll mit Blütenduft und fast schon wie im Mai. Und beim Zuppl (wie ich meinem Lieblings-Obst- und Gemüsehändler Zupp liebevoll nenne), gibt es endlich richtig feine Erdbeeren. 


Versteht mich nicht falsch, ich bin alles andere als ein Saisonobstpapst. Wenn ich im Januar halt mal Bock auf Erdbeeren habe, dann kaufe ich mir so ein gottverdammtes Schälchen im Supermarkt und gut ist. Aber die ersten aus dem Handschuhsheimer Feld nebenan schmecken schon noch mal eine Nummer besser, saftiger und süßer. Und das gehört gefeiert!


Meine Feierei besteht nun darin, eine dekadente Pavlova-Torte aus Meringue zu backen und sie mit Sahne, Erdbeeren und Himbeeren zu überhäufen, die in Himbeer-Walderdbeer-Likör* mariniert wurden. Wie, Himbeeren gibt es noch nicht aus regionalem Anbau? Huch, sowas aber auch. Eigentlich hätte ich sowieso lieber Kirschen gehabt, um "Strawberries, cherries and an angel's kiss in spring" in meiner Pavlova unterzubringen. Aber Kirschen gibt es noch weit und breit nicht und daher müssen vorerst eben spanische Himbeeren als zweite Hauptrolle neben den Erdbeeren herhalten. Dafür ist mein Angel's Kiss definitiv regional und saisonal, allerdings nicht unbedingt "genfrei" ;)  

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Meinen Summer Wine, den Himbeer-Likör "Münsterländer Aperitif"* aus dem Hause Sasse, kenne ich bereits seit letztem Sommer. Als Blogger bekommt man ja öfter mal unverbindliche Produktsamples zugeschickt und so bekam ich letzten Sommer auch eine Flasche hiervon. Oh Gott, war der gut. Er begleitete uns abends zum Picknick an einen Nebenarm vom Neckar oder oft stand die Flasche auch einfach beim Kochen neben mir. Stellt euch das so vor: Ich in einer warmen Mainacht am Herd, Spaghetti Pesto oder was auch immer kochend, Balkontür auf und Laptop mit voll aufgedrehter Lieblings-Playlist auf dem Küchentisch. Dazu immer wieder einen Schluck von meinem "Beerenschnappes" direkt aus der Flasche und die Playlist wurde laut mitgegrölt. So richtig desperate-housewife-mäßig. Frühling, fast Sommer eben. 

(Sagt, dass ihr das auch tut? Kochen, euch dabei be..., ähm, also in verantwortungsvollen Mengen Alkohol genießen und laut Wings von Birdy, Volare oder Summer Wine singen?)


Eigentlich soll man den Münsterländer Aperitif* ja schön kultiviert mit trockenem Sekt, Eis und einem Minzeblatt in einer lauen Sommernacht genießen und ihn nicht beim Kochen direkt aus der Flasche süppeln so wie ich. Für so einen aufwändig produzierten Likör mit Himbeeren vom Biohof und echten Walderdbeeren grenzt das wahrscheinlich fast an eine Beleidigung. Aber Zurückhaltung, Verdünnung und gelegentliches Nippen war noch nie meine Stärke. Wenn ich was mag, dann bitte pur! Nicht böse sein, liebe Familie Sasse. Seht es als Ausdruck meiner kompromisslosen Liebe zu diesem Getränk ;)


Als die Flasche leer war (also, ähm, bald) ging ich zum besten Spirituosenhändler Heidelbergs, zum Alex in der Märzgasse, der den Münsterländer Aperitif laut Internet auch führen sollte. Leider war da nix mit Beerenschnappes - alles ausverkauft. What?! In der Konsequenz habe ich die vermittelnde Agentur förmlich um eine richtige Kooperation angefleht und hier ist sie nun - ich durfte mir ein Rezept mit diesem göttlichen Summer Wine ausdenken. Und bekam dazu 3 Flaschen Nachschub vom fruchtigen Likör zugeschickt. Yesss. Ziel erreicht.


Hier ist also mein Rezept für eine Beerenpavlova mit kleinem Likörkick und ich hoffe, ihr mögt es!

4 frische Eiweiß
1 Prise Salz
200g Zucker
1 TL Speisestärke
1 TL weißer Essig (schmeckt man nicht heraus, nur zur Stabilisierung der Baisermasse)

200ml Schlagsahne
1 Vanilleschote
1 TL Zucker

200g Erdbeeren
100g Himbeeren
5 EL Beerenlikör, z.B. Münsterländer Aperitif von Sasse*
1 EL Zucker

(auf die Erdbeerblüten und Erdbeerblätter als Deko könnt ihr, wenn ihr keine Foodblogger seid, wirklich verzichten)


1. Backofen auf 150 °C vorheizen. 

2. Die 4 Eiweiß zusammen mit dem Salz in einer fettfreien Schüssel mit dem Handrührgerät auf höchster Stufe aufschlagen (saubere Rührbesen). Das braucht schon so seine 2-3 Minuten, das Eiweiß muss Spitzen bilden. 

3. Den Zucker langsam einrieseln lassen, dabei weiter schlagen. 

4. Stärke dazu sieben und Essig zugeben, nochmal kurz weiter schlagen.

5. Die Baisermasse mit einem Löffel kreisförmig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und in der Mitte eine Mulde hineindrücken. Monks wie ich können auch mit Hilfe eines umgedrehten Tellers einen Kreis mit ca. 20cm Durchmesser aufs Backpapier aufzeichnen und die Baisermasse darin verteilen. Wer mag, formt ein paar dekorative Spitzen und Strudel, damit die Pavlova später schön aussieht.

6. Die Temperatur des Backofens auf 90 °C runterdrehen, das Blech mit der Baisermasse auf mittlerer Schiene in den Ofen schieben und ca. 90 Minuten backen. Nach dem Backen den Ofen ausschalten, die Pavlova aber bei geöffneter Tür im Ofen belassen, bis sie ausgekühlt ist (damit sich keine Risse bilden, die man dann später wegphotoshoppen muss... hust hust). 


7. In der Zeit die Sahne mit dem Zucker und dem ausgekratzten Mark der Vanilleschote steif schlagen. 

8. Erdbeeren waschen und putzen, in kleine Stücke schneiden. Himbeeren waschen. Erdbeeren und Himbeeren mit Zucker und Beerenlikör in einer Schüssel mischen und ca. 20 Minuten marinieren. 

9. Die ausgekühlte Pavlova vorsichtig vom Blech nehmen (ggfs. mit einer Palette oder einem langen Messer lösen) und auf einen Teller setzen. Großzügig mit der geschlagenen Sahne bestreichen. Zum Schluss die marinierten Erdbeeren und Himbeeren darüber geben. 


Die Pavlova könnt ihr entweder als eine große Torte oder als 4 Mini-Pavlovas zubereiten (dann die Backzeit etwas verkürzen). Inspiriert wurde der Name "Pavlova" für so eine Baiser-Sahne-Torte mit Früchten übrigens von der Ballerina Anna Pavlova - die Baisermasse sei so leicht wie ihr Tutu. Ähm ja, wenn ich so auf meine Hüften schaue, halte ich das für eine etwas unglückliche Namensgebung (Sahne?! Zucker?!). Aber köstlich ist sie allemal! Gönnt euch was.