Mittlerweile bin ich wirklich ein Fan von den Media Markt DVD-Angeboten. So sehr der Laden sonst auch durch die mangelnde Kompetenz seiner Verkäufer besticht, so wahrscheinlich ist es aber auch, dass man dort einen richtig günstigen und guten Film ergattern kann. So auch letzten Mittwoch, als es mal wieder regnete und man außer futtern und DVD schauen nicht wirklich viel machen konnte. Nach dem Lebensmitteleinkauf waren wir wieder auf Schnäppchenjagd und haben für nur 4,90 neues Futter für die Heimkinoanlage von meinem Freund mitgenommen: The Virgin Suicides von Sofia Coppola, ein Film, den ich schon lange mal sehen wollte.
Die Geschichte spielt in einem typischen amerikanischen Vorort der 70er Jahre mit sorgsam gepflegten Vorgärten, weißen Verandas und adrett frisierten Müttern, die nichts Dringlicheres zu tun haben, als über die Unschuld ihrer Töchter zu wachen. So auch die Familie Lisbon mit ihren 5 hübschen Töchtern. Man fragt sich, wie die Mutter, deren religiöser Fanatismus fast so groteske Formen annimmt wie ihre sackartigen Kleider, und der Vater, pures Phlegma in der Gestalt eines Mathematiklehrers, es geschafft haben so wunderhübsche Wesen in die Welt zu setzen. Fakt ist jedenfalls, sie haben es und Therese, Lux, Mary, Bonnie und Cecilia führen ein nonnenartiges Dasein, das mit dem Alltag ihrer High School Kameradinnen nicht viel gemeinsam hat.
Die Jüngste, die ungestüme Cecilia, begeht vor Verzweiflung einen Selbstmordversuch, aber ohne Erfolg. Ihr behandelnder Psychiater legt den Eltern daraufhin ans Herz, den Mädchen doch den Kontakt zu männlichen Altersgenossen zu ermöglichen. Die Nachbarsjungen, die schon lange ein Auge auf die hübschen Mädchen geworfen haben, werden ein erstes und letztes Mal zu einer Art Party eingeladen. Diese verläuft allerdings für alle Beteiligten eher unangenehm und endet mit einem weiteren Selbstmordversuch von Cecilia, dieses Mal erfolgreich.
Die Zweitälteste, die wilde Lux, verliebt sich nun in den langhaarigen, Fliegerbrille tragenden Josh Hartnett Trip Fontaine. Wunderbarerweise darf sie sogar mit ihm zum Schulball gehen - unter der Bedingung, dass Papi die Ballaufsicht führt. Doch Lux überspannt den Bogen und verbringt die Nacht mit ihrem Lover auf dem Footballfeld unter freiem Himmel. Als sie am nächsten Morgen nach Hause kommt, fällt die Strafe wie erwartet gewaltig aus: Alle Mädchen werden von der Schule genommen und bekommen unbefristeten Hausarrest.
Den einzigen Kontakt zu Gleichaltrigen haben sie nun noch durch die treuen Nachbarsjungen, die den Mädchen Morsezeichen geben und ihnen am Telefon Rockschallplatten vorspielen. Eines Abends vereinbaren sie mit den Jungs, dass diese sich mitten in der Nacht heimlich zu ihnen ins Haus schleichen sollen. Doch dort finden die jugendlichen Paul McCartney Lookalikes nicht exakt das vor, was sie erwartet hatten...
Meine Meinung zu dem Film? Schwierig. Allein vom Optischen her ein Meisterwerk. Wunderbar komponierte Bilder, in helles, nostalgisches Licht getaucht. Ein Traum in Cross Process, mädchenhafte Tagebucheinträge, zarte geblümte Stoffe und ganz viel Soft Focus. Die weißen Metallbetten und die transparenten, im sanften Nachmittagswind wehenden Gardinen suchen ihresgleichen im Impressionenkatalog (Vielleicht sollte ich die DVD neben meinen Martha Stewart - Bildbänden im Regal lagern). Der wunderbar verträumte Soundtrack von Air lädt dazu ein, sich in diese bittersüße Melancholie hineinfallen zu lassen und davon zu träumen, wie schön es damals in der Schulzeit gewesen wäre, auch so ein scheues, feminines Wesen mit langem blondem Haar und einem Schwarm ergebener Nachbarsjungen gewesen zu sein.
Andererseits: Der Film ist komisch. Bei all der kunstvollen szenischen Ausstaffierung wurde vergessen, den Mädchen so etwas wie Charakter zu verpassen. Dementsprechend bleibt wirkliche Empathie aus und gewisse Splatterszenen wie die auf dem Vorgartenzaun aufgespießte Cecilia quittiert man eher mit einem belustigt-angeekeltem Grinsen wie bei den Happy Tree Friends als mit der viel tiefer empfundenen Anteilnahme wie damals bei der ersten Lektüre von Romeo und Julia. Gut, vielleicht liegt die Ursache hierfür in der Erzählperspektive aus der Sicht der Nachbarsjungen, für die die Lisbon-Schwestern wunderschöne, aber auf immer unergründliche Geheimnisse darstellten. Dies ändert aber trotzdem nichts daran, dass mich das sanfte Licht, das im Mädchenzimmer durch die geblümten Vorhänge schien, mehr berührt hat als dass Mary ihren Kopf in den Backofen gesteckt hat.
Diejenigen von euch, die den Film kennen: Wie findet ihr ihn?
Ich war ja viel begeisterter von Garden State, eine weitere unserer Media Markt Billigtisch-Ausbeuten. Besteht Interesse an einer Review oder ist der Film für euch auch schon ein alter Hut?
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